Fantasie beflügelt die Sinne:

EIN BREMER ENGEL BRINGT FARBE
IN DEN PATIENTENALLTAG

Bilder

Eva Paul ist einer der acht Engel im Team der Fachkräfte, die chronisch- und schwerstkranken Kindern in Bremen und Delmenhorst dabei helfen, gesund zu werden. Kunsttherapie heißt ihr Rezept, um kleinen Patienten und ihren Angehörigen den Alltag während der Behandlung im Krankenhaus und zu Hause zu erleichtern. 

 

Wo die Kunst zur Therapie gehört


„Die Kunsttherapie ist ein großes Glück." Kinder sind durch ihre schwere Erkrankung oft über einen langen Zeitraum körperlich, psychisch und sozial sehr belastet. Die Kunst weckt Lebensfreude und setzt neue Energie frei, die den Heilungsprozess begünstigen“, betont Angela Duhr, Psychologin und BREMER ENGEL, in der Klinik. Wie die Ärzte und Schwestern arbeitet sie eng mit Eva Paul zusammen und schätzt ihre Arbeit sehr – genauso wie die kleinen Patienten. Für die sechsjährige Sabrina bedeuten die gemeinsamen Stunden mit der Kunsttherapeutin viel. Nur dann kann sie den Stationsalltag vergessen: „Krankenhaus ist blöd,“ sagt das an Leukämie erkrankte Mädchen, „aber das Malen macht Spaß.“ Gerade greift sie zu einem Wachsmaler in sattem Lila: Sie legt einen Wintervorrat mit Trauben für die Eichhörnchenfamilie auf ihrem Blatt an. „Ihr Haus heißt Kobel“, erklärt das Kind Eva Paul, die am gleichen Motiv arbeitet und sich dabei mit Sabrina unterhält. Bei ihrem letzten Treffen haben beide einen Herbstspaziergang gemacht und sich dabei Anregungen geholt – auch das gehört zur Kunsttherapie. Die intensive Arbeit zu zweit trägt dazu bei, dass Eigenkräfte mobilisiert werden. So bauten sich Vertrauen, Sicherheit und das Gefühl der Geborgenheit auf und dies sei wichtig, um ein krankes Kind zu stabilisieren, zu motivieren und anzuregen, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Über die Kunst lassen sich Ängste und Empfindungen ausdrücken, die vielleicht nicht in Worte gefasst werden können, und ein Stück weit auch verarbeiten.

 

Gefühle ausdrücken


Den Kindern stehen vielfältige Materialien zur Verfügung: Kreide, Aquarell-, Tempera-, Acryl- und Fingerfarben, Ton und Knete – gern genommen, um etwa Wut herauszulassen, erzählt Eva Paul – aber auch Papier und Karton; der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im eigens eingerichteten Kunstraum stehen Staffeleien mit Leinwänden bereit. Je nach Situation der Patienten kommt die Therapeutin aber auch ans Bett. Die Erkrankung der Kinder erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Und so macht sie auf Wunsch Hausbesuche oder bietet bei Bedarf Gruppenkurse auch für Angehörige und Geschwisterkinder an. Die Wirkung der Therapiestunde setze unmittelbar ein, so Eva Paul: „Beim Eintauchen in den künstlerischen Prozess ist eine Veränderung der Körperhaltung, des Atmens und der Durchblutung erlebbar. Die Kinder bekommen rote Wangen, wirken freudig gelöst und entspannt. Kunst kann sogar schmerzlindernd wirken. Die Kunsttherapie ist laut Prof. Dr. Hans-Iko Hupperts, Leiter der Prof.-Hess-Kinderklinik, nicht mehr wegzudenken: „Sie unterstützt unsere Arbeit, hilft bei seelischen Problemen, die mit schweren Erkrankungen einhergehen.